12. Europäisches Filmfestival der Generationen - 01.10. bis 30.11.2021

Wir begrüßen Sie herzlich zum 12. Europäischen Filmfestival der Generationen, dass von nun an immer bundesweit vom 1. Oktober bis zum 30. November laufen wird. Nachdem letztes Jahr coronabedingt viele Veranstaltungen ausfallen und verlegt werden mussten, hoffen wir, dass es diesen Herbst zu keinen flächendeckenden Ausfällen kommen wird. Gleichwohl überlagert und erschwert die Pandemie auch weiterhin die Planungen für jede/n einzelne/n Veranstalter*in. Ein Grund, warum einige treue Städte und Kommunen erst nächstes Jahr wieder beim Festival mitmachen wollen. Um so mehr überrascht uns die große Resonanz mit über 80 Mitveranstalter*innen und über 210 Filmveranstaltungen; hinzu-kommen noch weitere 50 Nachholtermine aus über 20 Kommunen.

Daher ein ganz herzliches Dankeschön an alle Veranstalter*innen und ihren haupt- und ehrenamtlichen Akteur*innen, die mit ihrem Engagement und ihrer Zuversicht den aktuellen Widrigkeiten trotzen und das Filmfestival der Generationen so lebendig machen. Denn das Festival lebt von der Begegnung der Generationen, der Kulturen und der Bürger*innen aus dem unmittelbaren Sozialraum. Und es lebt von der Möglichkeit zum Dialog über zukunftsrelevante, altersspezifische, altersübergreifende und quartiersbezogene Themen.

Als Impuls dient hierfür ein ausgewähltes Filmprogramm. Dieses Jahr umfasst es 28 Filme, die Hälfte davon sind Premieren von diesem und letzten Jahr. Einen thematischen Schwerpunkt bilden Filme, bei denen Herausforderungen, und neue Lebensaufgaben im Zentrum älterer Menschen stehen: In der Komödie „Enkel für Anfänger“ versuchen sich drei Ältere als Leih-Großeltern und in „Dancing Queens“ beginnen ältere Frauen in einer Seniorenresidenz als Cheerleader zu tanzen. In „Happy Ending“ wird eine Rentnerin nach 50 Jahren Ehe von ihrem Mann verlassen, während in „Über Grenzen“ eine al-leinlebende Rentnerin sich mit dem Motorrad auf eine große Reise begibt. Ebenso auf Reise gehen in dem berührend-schönen Dokumentarfilm „Immer und ewig“ ein älteres Paar – mithilfe eines speziell für die pflegebedürftige Frau umgebauten Wohnmobils.

Zudem finden sich weitere intergenerativ-ausgerichtete Filmproduktionen wie „Romys Salon“ über Demenz, „Warum ich hier bin“ und „Farewell Yellow Sea“ über (Arbeits-)Migration, „The Farewell“ über den Umgang mit Sterben in einer chinesisch-amerikanischen Familie sowie ein Kurzfilmprogramm junger Filmamateure zum Thema Altern/n (Preisträger des „Deutschen Generationenfilmpreis“).

Des Weiteren bietet das Programm eindrucksvolle Dokumentationen zu gesellschaftspolitischen Themen wie Klimaschutz („Das Forum“ und „Zeit für Utopien“), Armut und soziale Exklusion („Frosch im Schnabel“) und Emanzipation und Wider-stand von Lesben in der DDR („Uferlos“). Abgerundet wird das umfangreiche und bunte Programm mit 14 beliebten Klassikern und Dauerrennern des Festivals wie „Die Herbstzeitlosen“, „Ein Mann namens Ove“ oder auch „Monsieur Pierre geht online“.

Wir wünschen Ihnen unterhaltsame, informative und anregende Filmveranstaltungen!

Prof. Dr. Michael Doh & Prof Dr.Dr.h.c. Andreas Kruse
Kompetenzzentrum Alter, Institut für Gerontologie, Universität Heidelberg

Matthias Roos
Gesundheitsamt Frankfurt am Main

GRUSSWORT des Schirmherrn

Ganz herzlich begrüße ich Sie zur 12. Ausgabe des Europäischen Filmfestivals der Generationen. Einem besonderen Festivaljahrgang, nicht nur wegen der andauernden Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen und Unsicherheiten bei der Planung und Durchführung solch eines bundesweiten Filmfestivals. Es ist auch das Jahr einer Zäsur. Denn nach elf Jahren übergibt Frau Prof. Ursula Lehr aus Alters-gründen ihre Schirmherrschaft an mich als Vorsitzenden der BAGSO, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen. Bereits 2015 durfte ich den Vorsitz der BAGSO von ihr übernehmen und freue mich nun auch die Schirmherrschaft für dieses bundesweit einmalige Filmfestival anzutreten. Einem Filmfestival, das Frau Lehr von Anbeginn unterstützt und gefördert hatte. Denn, sowohl die Vermittlung differenzierter Altersbilder wie auch der Dialog zwischen den Generationen waren ihr in ihrem wissenschaftlichen, politischen und ehrenamtlichen Tun immer wichtig.

Über die Jahre wuchs das Festival, die ersten Jahre in Frankfurt am Main und in Heidelberg, danach erstreckte es sich über die gesamte Metropolregion Rhein-Neckar und nunmehr über das gesamte Bundesgebiet. Auch dieses Jahr sind es wieder über 100 verschiedene Städte und Kommunen, die teilnehmen und die Idee des gemeinsamen Filmeschauens und sich darüber austauschen, teilen. Dabei bietet das Programmange-bot erneut vielfältige Filmproduktionen, die das Altern als eine facettenreiche Lebens-phase präsentieren, die es aktiv zu gestalten gilt und in der es um Mitverantwortung und um ein gutes und solidarisches Miteinander zwischen Alt und Jung geht. Darüber hinaus greift das Festival weitere gesellschaftlich relevante Themen wie Migration und Klimawandel auf – Themen, die altersübergreifend relevant sind und zu denen sich ältere Menschen vielfältig aktiv engagieren und gesellschaftlich einbringen. 

Begegnung und Dialog zwischen Bürgerinnen und Bürgern, zwischen den Generationen und zwischen den Kulturen ist wichtiger denn je. Gerade auch in Zeiten einer globalen Pandemie und gesellschaftlicher Umbrüche gilt es, gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern und zu stärken. Das Festival kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten.

Ich wünsche daher dem Filmfestival viel Erfolg, mit anregenden und fruchtbaren Diskussionen und bedanke mich beim Organisationsteam und den zahlreichen haupt- und ehrenamtlichen Veranstalterinnen und Veranstaltern für alle Mühen!

Franz Müntefering, Vorsitzender der BAGSO; © BAGSO/Sachs
Franz Müntefering

Vorsitzender der BAGSO

Karte der Veranstaltungsorte

Festivalkonzept

Das Europäische Filmfestival der Generationen ist eine bundesweite Veranstaltungsreihe der Universität Heidelberg, die dem Publikum aktuelle Filme zu den Themen Alter, Demografischer Wandel und Zukunftsfragen wie Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Klimawandel präsentiert. Durch moderierte Filmgespräche soll der Dialog zwischen den Bürger*innen wie auch zwischen Generationen und Kulturen gefördert werden.

Das Festival wurde im Jahr 2010 in Frankfurt/Main und Heidelberg gegründet und erhielt aufgrund des überzeugenden Konzepts 2013 den Deutschen Alterspreis der Robert Bosch Stiftung. 2019 fand das Filmfestival in über 100 Städten und Gemeinden statt und hatte etwa 14.000 Zuschauer – davon waren über 70 Prozent Personen ab 60 Jahre. Das Festival erfreut sich wachsender Beliebtheit, wobei besonders die niedrigschwellige kommunal- und stadtteilorientierte Zugänglichkeit und die Kombination aus anregender Filmunterhaltung und konstruktivem sozialen Austausch geschätzt werden.

Das Besondere am Europäischen Filmfestival der Generationen ist das Festivalkonzept. Es lässt sich in vier Punkten zusammenfassen:

▪ Europäisch: Es werden überwiegend Filme aus dem europäischen Kulturraum gezeigt. Hierzu stellt die Festivalleitung jedes Jahr eine Liste von etwa 30 Filmen zusammen, aus denen die Veranstalter auswählen können. Der Fokus der Filme liegt auf altersbezogenen Themen, die aber auch einen aktuellen kommunalpolitischen Bezug haben können: z.B. Wohnen im Alter, soziale und digitale Teilhabe im Alter, Pflege und Gesundheitsversorgung, Sport und Aktivität, Musik und Kreativität, aber auch Themen wie Integration und Migration, Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Klimawandel.

▪ Dezentral: Das Europäische Filmfestival der Generationen ist eine dezentrale sozial-kulturelle Veranstaltungsreihe, die den bürgerschaftlichen Austausch auch in „kinofreien“ Gemeinden und Quartieren fördern möchte. Daher besteht grundsätzlich die Möglichkeit neben kommerziellen Veranstaltungen in Kinos, auch nicht-kommerzielle Veranstaltungen in lokalen Begegnungsstätten oder Senioren- und Jugendeinrichtungen durchzuführen.

▪ Barrierefrei: Gewünscht ist, dass die Veranstaltungen in niederschwelligen Veranstaltungsorten (barrierefrei und quartiersnah) stattfinden. Es sollen möglichst alle Personengruppen problemlos Zugang finden. Auch durch die Preisgestaltung sollen keine Barrieren errichtet werden (nicht-kommerzielle Veranstaltungen sind für die Zuschauer kostenfrei).

▪ Dialog: Fester Bestandteil einer Festivalveranstaltung ist ein moderiertes Publikumsgespräch im Anschluss an die Filmvorführung. Die örtlichen Veranstalter sind aufgefordert, hierzu Fachleute aus der Praxis oder Wissenschaft, aus Kommune oder Politik einzuladen, die im Dialog mit dem Publikum das Filmthema besprechen und vertiefen. Zu einigen Themenfelder gibt es auch Handreichungen und Materialien, die eine mittel- und längerfristige Bearbeitung von Themen ermöglichen.


Kommunen können profitieren

Das Filmfestival bietet für Kommunen ein innovatives und zugleich niedrigschwelliges Instrument sich mit der Bürgerschaft zu aktuellen und zukunftsrelevanten Themen auszutauschen. Durch das spezifische Festivalkonzept können kommunalrelevante Aspekte wie Begegnung und Austausch zwischen Generationen und Kulturen gefördert werden und damit auch bürgerschaftliche Partizipation, soziale Teilhabe, Inklusion und gesellschaftlicher Zusammenhalt.

Neben dem klassischen Kino als Veranstaltungsort bieten sich auch nicht-gewerbliche, kostenlose Filmveranstaltungen im Quartier bzw. im Wohnviertel an. Hierdurch können insbesondere mobil beeinträchtigte Menschen, Personen im hohen Alter oder auch sozialbenachteiligte Personengruppen erreicht werden. Als Beispiele für Veranstaltungsorte, die sich über die Jahre gut bewährt haben, seien genannt: Bürgerhäuser, Mehrgenerationenhäuser, Bibliotheken, Senioren- und Jugendzentren, Altenheime, Schulen, Kirchen oder auch Pflegestützpunkte. Dabei kommen ausgewählte Filme zum Einsatz, die für die Kommune bzw. das Quartier themenrelevant und zukunftsträchtig sind. Mit diesem sozio-kulturellen Angebot im lokalen Raum kann gezielt auch soziale Teilhabe und Inklusion benachteiligter Personengruppen gestärkt werden. Zudem können über solche Veranstaltungen nachbarschaftliche Strukturen, kommunale Vernetzungen und Kooperationen gefördert werden.

 

Publikation über das Filmfestival

Kempa, S. (2016): Gereift: Das Kino entdeckt ältere Menschen. Heilberufe - Das Pflegemagazin, 68(12), 54-56.