11. Europäisches Filmfestival der Generationen (01.10. - 15.11.2020)

Grußwort vom Veranstalter

Wir begrüßen Sie herzlich zum 11. Europäischen Filmfestival der Generationen, einem gewiss besonderen Festivaljahr, das unter den Vorzeichen einer globalen Pandemie steht. Vom 1. Oktober bis zum 15. November sind aktuell an bundesweit über 150 Lokalitäten über 230 Filmveranstaltungen geplant, vorausgesetzt die coronabedingten Gegebenheiten vor Ort bleiben stabil und kontrollierbar. Diese Fragilität stellt die  Planungen und Organisation dieses Festivals vor große Herausforderungen, besonders für die zahlreichen lokalen Veranstalter/innen und ehrenamtlichen Akteur/innen, die bestrebt sind, Präsenzveranstaltungen durchzuführen. Denn das Festival lebt von Austausch und Begegnung und der Möglichkeit, durch die Präsentation eines Films einen bürgerschaftlichen Dialog über zukunftsrelevante, generationenübergreifende und kommunalspezifische Themen anzuregen. Ein Ausweichen auf Onlineformate stellt insofern keine gute Alternative dar. Sollten jedoch Veranstaltungen aufgrund pandemiebedingter Entwicklungen nicht durchführbar sein, sind Ersatztermine im April vorgesehen.

Unser besonderer Dank richtet sich daher an die über 90 Veranstalter/innen und ihre Kooperationspartner/innen, Akteur/innen und Diskutant/innen, die trotz dieser Unwägbarkeiten und erschwerten Rahmenbedingungen am Festival teilnehmen.

Das Filmprogramm umfasst dieses Jahr 27 Spiel- und Dokumentarfilme sowie ein Kurzfilmprogramm. Unter den neun Festivalpremieren, handeln einige von älteren Frauen, die einen Neuanfang wagen wollen oder müssen: So steht in der dänischen Produktion „Happy Ending“ eine scheinbar intakte Langzeitbeziehung vor dem Aus, als die Ehefrau erfährt, dass ihr Mann seine neue Freiheit als Rentner ohne sie plant. Die große Freiheit verspürt auch die Protagonistin in der Dokumentation „Über Grenzen“, die sich als Rentnerin vornimmt, alleine mit dem Motorrad auf Weltreise in Richtung Zentralasien zu gehen. Außergewöhnlich erscheint das Vorhaben einer Gruppe älterer Frauen aus einer Seniorenresidenz zu sein, die in der US-Komödie „Dancing Queens“ als Cheerleaderinnen auftreten wollen. Weitere Filme richten die Perspektive auf die junge Generation und deren Blick auf das Alter: Wie z. B. in dem niederländischen Kinderfilm „Romys Salon“, eine berührende Enkelin-Großmutter Geschichte über Demenz, Sorge und Mitverantwortung. In „Warum ich hier bin“ werden, einfühlsam und mit eindrucksvollen Animationen unterlegt, fünf Migrationsgeschichten aus drei unterschiedlichen Generationen erzählt. Wie differenziert und vielschichtig das Alter von der jungen Generation wahrgenommen wird, unterstreichen die vier prämierten Kurzfilme aus dem Programm zum „Deutschen Generationenfilmpreis“. Hingegen zeigt der chinesische Spielfilm „The Farewell“ Altersbilder einer für uns fremden Kultur und wirft hierbei ethische Fragen zum Umgang mit Alter, Sterben und Tod auf. Abgerundet wird das Programm mit zwei informativ-anregenden Dokumentationen zum Thema Klimaschutz: Während „Das Forum“ hinter die Kulissen der politischen und wirtschaftlichen Weltbühne in Davos schaut, präsentiert „Zeit für Utopien“ konkrete Lösungsbeispiele für einen nachhaltigeren und regionalen Konsum.

Wir wünschen Ihnen unterhaltsame, informative und anregende Filmveranstaltungen – und bleiben Sie gesund!

Dr. Michael Doh & Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Kruse
Kompetenzzentrum Alter, Institut für Gerontologie, Universität Heidelberg

Matthias Roos
Gesundheitsamt Frankfurt am Main

 

Grußwort von der Schirmherrin

Ganz herzlich begrüße ich Sie zum Filmfestival der Generationen, das zum  11 mal stattfindet - mit einem wie immer abwechslungsreichen, interessanten Programm. Die Zeit zwingt dieses Jahr zu besonderen Vorsichtsmaßnahmen und ich bewundere den Mut des Organisationsteams, unter Coronabedingungen ein solches "Festival der Generationen" zu bestreiten. Ich wünsche ein gutes Gelingen!

Zur Auswahl der Filme lässt sich eine etwas stärkere Generationenverteilung feststellen. Während in den ersten Festivaljahren noch ein gewisser Schwerpunkt auf die Darstellung von unterschiedlichen Alternsschicksalen gelegt wurde, rücken mittlerweile auch jüngere Generationen in den Blickpunkt - und beleuchten Möglichkeiten und Grenzen des intergenerationellen Dialogs und gegenseitigen Verständnisses. Sehr deutlich wird das bei der Dokumentation "Das Forum,", in dem aus Davos vom Wirtschaftsforum berichtet wird, und dem Klimawandel, vor allem aber Greta Thunberg, sehr viel Raum eingeräumt wird. Auch die Premiere "Wir machen es anders: Zeit für Utopien", der für regionale und nachhaltige Produktionsformen eintritt, enthält reichlich Überzeugungen, die bei Vertretern unterschiedlicher Generationen auf sehr unterschiedliche Zustimmung stoßen wird.

Die Altersbilder, die in den einzelnen Filmen herausgearbeitet werden, sind sehr vielseitig: von überaktiven älteren Cheerleaders bis zu dementen Großmüttern. Sehenswert ist der Film "Happing Ending", der sich mit der Thematik des Renteneintritts befasst. Wissenschaftlich wurde schon Ende der 60 Jahre festgestellt, dass das Berufsende des Mannes seiner (nicht berufstätig gewesenen) Frau große Schwierigkeiten bereitet: Sie erwartet nun Zeit für Reisen, Unternehmungen, Theaterbesuche etc. - aber er sucht eine neue Beschäftigung anderer Art. Die Formen, in denen die Partnerin reagieren kann, sind allerdings auch vielseitig. Ebenso bietet die Oma-Enkel-Geschichte "Romys Welt" hinreichend Gesprächsstoff, auch die Diskussion um das Lebensende (es muss sich ja nicht immer um Dementielle handeln!), wie zum Beispiel der sehr interessante Film "The Farewell" einer sterbenden chinesischen Großmutter, der man ihren Gesundheitszustand verschweigt, sie noch die Hochzeit eines Enkels erleben lässt, durch deren Vorbereitungen sie geradezu "aufblüht", erlaubt Einblicke in andere Kulturen und gibt hinreichend Stoff zur Diskussion.

Ich wünsche dem Filmfestival viel Erfolg, den Besuchern interessante Stunden und spannende Diskussionen und bedanke mich beim Organisationsteam und den zahlreichen Veranstaltern für alle Mühen!

Prof. Dr. Dr. hc. mult.Ursula Lehr
Bundesministerin a.D. und Ehrenvorsitzende der BAGSO

 

Grußwort vom Verband Region Rhein-Neckar (VRRN)

Dieses Jahr haben wir gemerkt und merken immer noch, wie wichtig soziale Teilhabe aller Altersschichten ist. In der Pandemie erkennen wir noch deutlicher, wie hilfreich dabei auch die digitalen Hilfsmittel sein können. Kein persönlicher Kontakt, Abstand halten und geschlossene Geschäfte machen besonders älteren und alleinlebenden Personen zu schaffen. Unter anderem mit der Frage nach sozialer und digitaler Teilhabe beschäftigt sich das Netzwerk Regionalstrategie Demografischer Wandel in der Metropolregion Rhein-Neckar (kurz RDW), welches das Europäische Filmfestival der Generationen auch in diesem Jahr in der Rhein-Neckar-Region unterstützt. Das Netzwerk beschäftigt sich schon seit 2008 mit der Gestaltung des Demografischen Wandels und mit dem Sichtbarmachen von Potentialen, die es optimal zu nutzen gilt. Digitalisierung aller Altersschichten, Daseinsvorsorge im ländlichen Raum, Fachkräftegewinnung und -sicherung und Stärkung von Pflege seien hier unter anderem erwähnt.

Das Europäische Filmfestival der Generationen gibt es seit 11 Jahren und es findet schon zum achten Mal auch in der Metropolregion Rhein-Neckar statt. Es ist eine sehr erfolgreiche Möglichkeit, Menschen der Region jedes Jahr aufs Neue für den Demografischen Wandel zu sensibilisieren. Angefangen in Kinos in Mannheim und Heidelberg ist es nun in zahlreichen weiteren Kommunen der Region angekommen.

Vielen Dank an alle Veranstalter/innen und alle Diskutanten/innen und die vielen ehrenamtlichen Helfer/innen bei den einzelnen Veranstaltungen, die gerade dieses Jahr unter erschwerten Bedingungen, mit Hygienekonzept und Abstand halten, dieses Filmfestival möglich machen. Um dieses große Engagement aller Verantwortlichen im Vorfeld des Festivals entsprechend zu würdigen, bitten wir alle Besucherinnen und Besucher, die jeweils vor Ort erarbeitenden Hygienekonzepte und Abstandsregelungen einzuhalten. Wir sind uns sicher, dass auch auf diesem Wege vielfältige Diskussionen und ein gelungener Austausch über die jeweiligen Beiträge natürlich möglich und selbstredend erwünscht sind – denn gerade darum geht es ja beim Festival.

In diesem Sinne wünschen wir dem 11. Europäischen Filmfestival der Generationen viel Erfolg!

Stefan Dallinger
Verbandsvorsitzender, Verband Region Rhein-Neckar (VRRN)

Ralph Schlusche
Verbandsdirektor (VRRN) Vorsitzender RDW-Lenkungskreis

Boris Schmitt
RDW-Netzwerkmanager


Karte der Veranstaltungsorte

Festivalkonzept

Das Festival präsentiert aktuelle deutsche und internationale Spiel- und Dokumentarfilme über das Alter, das Älterwerden und den demografischen Wandel. Dabei steht die Filmauswahl unter zwei Prämissen: Erstens sollen die Filme differenzierte Altersbilder vermitteln, die das Alter als eine entwicklungsdynamische Lebensphase zeigt, mit vielfältigen Potenzialen und Ressourcen für das Individuum und für die Gesellschaft. D.h. die Filme sollen auch Chancen und Möglichkeiten, Gewinne und Freiheiten des Alterns aufzeigen und nicht nur als Verlust und Krankheit und Last der Gesellschaft. Die zweite Prämisse: Die Filme sollen Inhalte transportieren, die zur Anschlusskommunikation und zum Dialog mit dem Publikum einladen. D.h. die Geschichten, Bilder, Werte und Figuren sollen die Möglichkeit bieten, auf die Welt des Zuschauers übertragbar zu sein. Von der großen Leinwand herunter auf die reale Gegebenheiten vor Ort, in der Kommune, in meinem zu Hause, in meiner Welt.

Von daher sind die Publikumsgespräche im Anschluss an die Filmvorführungen zentraler Bestandteil des Festivalkonzepts. Diese werden durch Fachexperten aus Praxis, Wissenschaft, Kommune und Politik geführt. Der Film dient sozusagen als Medium, als Kommunikationsmittel, um ins Gespräch zu kommen und Fragen aufzuwerfen: Über das eigene und das gemeinsame, heutige und zukünftige Alter/n. Es soll das Bewusstsein für den demografischen Wandel fördern wie auch die Bedeutung für ein aktives und gesundes Altern. Es soll den Dialog der Generationen fördern wie auch die Bereitschaft für bürgerschaftliches Engagement.


Kommunen können profitieren

Speziell um auch den Aspekt der Mitverantwortung, sozialen Teilhabe und Engagement zu fördern, geht das Festival gezielt neue Wege der Distribution. Neben den herkömmlichen kommerziellen Kinos werden auch Orte der Begegnung aufgesucht, die besonders für ältere Menschen niedrigschwellig zugänglich sind. So finden zahlreiche kostenlose Filmveranstaltungen in Bürgerhäusern, Schulen, Kirchen, Seniorenzentren, Krankenhäusern, Theatern, Pflegestützpunkten oder Mehr-Generationen-Häusern statt. Dabei kommen ausgewählte Filme zum Einsatz, die für den Veranstalter, das Quartier oder die Kommune themenrelevant und zukunftsträchtig sind. Mit diesem kulturellen Angebot im lokalen Raum werden nicht nur soziale Teilhabe älterer Menschen und nachbarschaftliche Beziehungen gestärkt, die Kommunen profitieren von einer sich verstärkenden Vernetzung und Kooperation von kommunalen, lokalen und sozialen und bürgerschaftlichen Akteuren.

 

Publikation über das Filmfestival

Kempa, S. (2016): Gereift: Das Kino entdeckt ältere Menschen. Heilberufe - Das Pflegemagazin, 68(12), 54-56.